Geschichte des Dorfes Herchen

    Herchen

    Staatlich anerkannter Erholungsort im Grünen.

    Herchen wurde urkundlich erstmalig in einer Urkunde des Papstes Innozenz des II. vom 31.März 1131 erwähnt. die bestätigt, dass die katholische Pfarrgemeinde Herchen dem Cassiusstift Bonn "zugehörig" sei.

    Katholische Kirche Herchen

    Wahrscheinlich war aber der Ort schon wesentlich früher Stätte eines Opfersteins der germanischen Göttin Hera , der an der Stelle der heutigen katholischen romanischen Basilika gestanden haben soll. Der Name Herchen soll auf diese Göttin zurück zu führen sein. Von anderer Seite wird eine alter römischer Lagerplatz als Grundstein Herchens und eine römische Opferkapelle am Standort der jetzigen katholischen Kirche vermutet. Diese Ansicht könnte bestärkt werden durch eine römische Heerstrasse sechs km von Herchen entfernt auf den Höhen der jetzigen Nutscheid. Eine Strasse, die schon Ptolemäus im 2.Jahrhundert auf einer seiner Fahrten vermerkt haben soll (H.J. Wirths). Auf dieser Strasse soll Varus mit seinen Legionen in den Teutoburger Wald gezogen sein. Andere Quellen (Sussenburger) sehen Herchen als eine Gründung der Alemannen an, die z.Zt. Karls des Großen in dieses Gebiet kamen. So vielseitig, wie die Entstehungstheorien Herchens sind auch die Namensbezeichnungen: Herkingen, Herchlingen, Herlichingen, Herechingen und endlich Herchingen, wie es auf einer alten Mercatorkarte aus dem Jahre 1545 zu finden ist.

    Beweise für diese Behauptungen liegen aber nicht vor.

    Merkator-Karte
    Merkator-Karte

    Kurz vor seinem Tode am 1.1.1247 gründete der letzte Graf von Sayn, Heinrich der III, das Zisterzienser Kloster in Herchen und übertrug der Gräfin Mechthilde von Landsberg-Sayn die Bauasuführung. Als das Gründungsjahr wird das Jahr 1248 angenommen. 1266 unterstellte der Erzbischof von Köln das Kloster dem Abt von Heisterbach. In der Folge war die Geschichte Herchens sehr eng mit der Geschichte des Klosters verbunden. Schenkungen, Landwirtschaft, Weinbau , später eine Walkmühle, sogar ein Brauhaus führten zu einem gewissen Wohlstand des Klosters und damit auch Herchens. Im Mittelalter war der Ort und seine Umgebung, vor allem dem Nachbarort Gerressen , Mittelpunkt des Tuchweber- Handwerkes , das dem Ort Ansehen in ganz Europa verschaffte. Ende des 16. Jahrhunderts verarmte das Kloster, eine Pestepidemie führte zum Ende des klösterlichen Lebens (1581 ging es in den Bestand des Klosters Merten über).
    Heute erinnern nur noch ein Brunnen und eine Restmauer an das Kloster.

    1701 wurde zur Erinnerung an das ehemalige Kloster eine Kapelle an der Sieg, die Antoniuskapelle, erbaut von der Äbtissin des Mertener Klosters Anna Margaretha von Pampus.

    Während nach dem Niedergang des Klosterlebens über lange Zeit Armut das bäuerlich geprägte Landleben charkterisierte, auch die Tuchweberei auf Dauer nicht betrieben werden konnte, erlebte der kleine Ort erst Ende des 18. Jahrhunderts einen gewissen Wohlstand.

    Im Mittelpunkt des romantischen Siegtals gelegen, bereits vom Baedecker Reiseführer 1883 als "schönster Luftkurort des Siegkreises" bezeichnet, war Herchen wohl aus diesem Grunde um die Jahrhundertwende des vorigen Jahrhunderts, in der sog. "belle Epoque, ein Zentrum des Fremdenverkehrs. Eine wie man damals formulierte "Sommerfrische". Heute kaum zu glauben, dass 1906 16 Beherbergungsbetriebe mit ca. 256 Betten den Ort prägten.

    Villa Lequis
    Villa Lequis

    Auch viele Künstler suchten den romantisch in einem Talkessel gelegenen Ort auf und nach dem Brand des Düsseldorfer Malkastens (1872) zog die heimatlos gewordenen Künstlerkolonie aus Düsseldorf bekannte Maler und Professoren, z.B. Alban Lüdecke, Otto Rethel oder Andreas Achenbach nach Herchen. Auch der Siegburger Komponist Engelbert Humperdinck war zeitweilig Gast in dem verträumten Dörfchen an der Sieg. Er war nach Auskunft von Zeitzeugen befreundet mit der Familie des Justizrates Lequis und ging in dieser herrschaftlichen Villa ein und aus. Die Tochter des Ehepaares Lequis war befreundet mit der Tochter des Bürgermeisters Johanna Alberty. Humperdinck muß sie bei Besuchen in der Villa kennen gelernt haben. Jedenfalls ist ein Johanna gewidmete Polka aktenkundig. Heute ist die "Villa Lequis" des ehemaligen Justitzrates ein Schmuckstück des Ortes, liebevoll restauriert von den jetzigen Besitzern Achim und Corinna Wirges.

    Seitenweise finden sich im Gästebuch des ehemaligen Hotels Glasmacher, das 1878 von seinem Besitzer Gottfried Glasmacher begonnen wurde, dem Mittelpunkt damaligen gesellschaftlichen Lebens, prominente Namen der damaligen "feinen Gesellschaft" Düsseldorfs und des Ruhrgebietes, die Herchen als "Sommerfrische" kennen lernten. Dieses Hotel wurde sogar vom Maler Dr.Janssen überschwenglich als "Grand Hotel d`Herchen" genannt. Diese Künstler waren es auch, die unter der Leitung des Malers Alban B. Lüdecke und des Hauptmann Edmund Henoumont, auch der Gründer des Verschönerungsvereins Herchen (1901), die sog. Sedanspiele 1884 gründeten. Die Sedanspiele auf einer schwimmenden Bühne der Sieg waren so attraktiv, dass sogar Sonderzüge aus Köln eingesetzt wurde.

    Gästebuch Hotel Glasmacher
    Gästebuch Hotel Glasmacher
    Polka von Engelbert Humperdinck
    Polka von Engelbert Humperdinck
    Hotel Glasmacher
    Hotel Glasmacher

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    Wer aufmerksam durch den kleine Ort Herchen spazieren geht, dem werden neben den immer noch vorhandenen schönen Fachwerkhäusern, die teilweise aus der belle Epoque stammenden herrschaftlich anmutenden Villen auffallen. Auch ein großes, das Ortsbild dominierendes Gebäude, in der Nähe der Brücke, jetzt Dank einer großzügigen Stiftung der Eheleute Katharina und Jakob Bonn 1979 ein Seniorenwohnheim, war zur Zeit seiner Eröffnung eines der modernsten Hotels in Deutschland. 1913 eröffnet, waren die Zimmer des "Herchener Hofs" damals schon mit Zentralheizung und fließendem Wasser ausgestattet. Auch das jetzige Parkhotel Löwenburg wurde in dieser Zeit (1905) vom ersten Herchener Arzt Dr. Fritz Löwe und seiner Frau als Erholungsheim gegründet.

    Sanatorium Dr. Wölfinger
    Sanatorium Dr. Wölfinger

    1897 wird von einem Dr.Wölfinger ein Sanatorium auf der Berghöhe in Übersehn errichtet, das aber mangels Belegung bereits 1901 an das Pädagogium Bad Godesberg verkauft wurde. Diese Schule prägt bis in Ende der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts den Ort. Dieses Internat würde man heute als "Promischule" bezeichnen. Die "Zöglinge" aus wohlhabenden Familien der nahen Großstädte lernten hier in der Abgeschiedenheit Herchens das einfachen Leben auf dem Lande kennen . Unter den strengen Augen einer konservativ ausgerichteten Lehrerschaft die Kunst sich körperlich und geistig zu bilden. Arbeitseinsätze, so der Bau des Hindeburgdenkmals, gehörten zum Lehrplan! Von dieser Schule wurde auch die schwimmende Badeanstalt auf der Sieg, damals ein bewundertes Bauwerk erbaut.

    Diese, im Volksmund "Päda", genante Schule wurde während des drittenn Reiches als Tagungsstätte des Reichsarbeitsdienstes genutzt, nach dem Kriege zur Unterbringung von Flüchtlingen. 1951 übernahm die Rheinische evang. Landeskirche das Gebäude zur Einrichtung eines Aufbaugymnasium, der jetzt Bodelschwinggymnasium genannten Schule, die inzwischen durch viele Neu- und Umbauten zu einer weit über Herchen bekannte Bildungsstätte geworden ist (ca. 1200 Schüler).
    Berücksichtigt man die ebenfalls im Orte vorhandenen Real- und Grundschule, ist erkennbar, dass Herchen als kulturelles Bildungszentrum genannt werden darf. Auch die mit Hilfe des in seinen letzten Lebensjahren in Windeck lebenden Künstlers Hanns Dieter Hüsch im Haus des Gastes etablierten Veranstaltungen aus dem Bereich Kleinkunst und Musik haben Herchens ehemaligen Ruf als Zentrum von Kunst und Kultur, erneuert . Das Herchen mehrfach Sieger im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" wurde, bestätigt nur diesem Ruf. Sehenswert ist die romanische katholische Kirche, der Skulpturengarten am Haus des Gastes, die "Herchener Kanonen", der historische Heilbrunnen sowie die Reste des alten Klosters nicht zuletzt aber auch die gepflegten schönen Wanderwege in und rund um den Erholungsort. Mehr darüber ist auf der Seite "Rundgang durch Herchen" zu lesen und zu sehen. Herchen verfügt im Übrigen über ein eigenes Dorfarchiv mit zahlreichen Fotos und Dokumenten seiner interessanten Geschichte. Zugang nach Rücksprache mit dem Autor dieses Textes (Tel. 022432293) . Von ihm auch weiterführende Literatur.

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    Quelle

    Quelle: Dr. Rüdiger Weisbach